Die Suche nach dem Lichtschalter

Heute komme ich nicht aus dem Bett. Meine Beine fühlen sich an wie harte Steine, die seit Jahren am Boden des Bettes festsitzen. In meinem Kopf wird ein schreckliches Orchesterstück aufgeführt. Meine Gedanken spielen verrückt und meine Sicht ist wie vernebelt. Es ist wieder so weit: Der depressive Tag ist da. An solchen Tagen wirken selbst leichte Alltagsaufgaben wie der Aufstieg auf den höchsten Berg der Welt. Ja, dieser Tag besucht mich in den letzten Wochen oft. Meistens sehr überraschend und unangekündigt. Aber na gut, ich lasse ihn rein. Ich bin immer wieder erstaunt, wie sehr Gefühle und Gedanken das Innere einnehmen können, sodass das gesamte Wesen blockiert ist. Dass ich hier sitze und jeden einzelnen „störenden” Gedanken ganz genau beobachte. Woher kommen sie? Was wollen sie? Wieso sind sie da? Was mache ich mit ihnen? Was machen sie mit mir?
Darüber hätte ich mir vor einigen Jahren keine Gedanken gemacht. In letzter Zeit spüre ich sie jedoch sehr intensiv.

Jeden Tag denken wir Menschen. Unzählige Gedanken gehen uns durch den Kopf. Doch die Lautstärke des Alltags kann Gedanken, die nach Aufmerksamkeit schreien, unterdrücken – zumindest ist es bei mir so. Ich lenke mich mit Arbeit, Social Media und dem Kontaktieren von Freunden ab. Je mehr ich die Lautstärke des Alltags aufdrehe, desto mehr Gedanken rufen nach Aufmerksamkeit. Spätestens zu Hause und an depressiven Tagen merke ich dann: Ich habe meine Seele vernachlässigt, und das hinterlässt Wunden.

Die Suche nach dem Lichtschalter 

Viel zu lange habe ich im Dunkeln getappt. Ich war auf der Suche nach Freude, innerem Frieden, Liebe, Stärke und Ausgeglichenheit. Ich habe Schuldgefühle. Ich bereue vieles – von meinem unzureichenden Glauben und Vertrauen in mich selbst, meine Fähigkeiten und meine Persönlichkeit bis hin zur Missachtung meines Körpers, meiner Werte und meines Lebens. Und hier befinde ich mich nun, am dunkelsten Ort meines Lebens. Das Tal wirkt tiefer als zuvor, die Umgebung kälter als je zuvor und ich frage mich: Wie finde ich den Ausweg nach oben? Wo ist der Lichtschalter? Wie erhalte ich Wärme?

Aufstehen. Ich erlaube mir zunächst, meine Hoffnung und meinen Glauben zu erwecken.

Meine Sicht ist dunkel, aber ich gebe diesem kleinen Funken Hoffnung in meinem Inneren eine Chance. Ich gebe nicht auf, lerne wieder zu kämpfen, und ja, ich weiß, dass es schwer ist. Freude und sehnlichste Wünsche kommen nicht einfach so daher. Es braucht eine Lichtquelle, deren Strahlen Hoffnung und Glauben aussenden. Mit diesem kleinen Licht tappe ich weiter im Dunkeln. Und auch wenn meine Sicht noch nicht klar ist, weiß ich: Da ist Hoffnung. Die Hoffnung, bald den Ausweg zu finden und den dunklen Tag der Zweifel, Sorgen, Unzufriedenheit und Negativität hinter mir zu lassen.

Zurück zum Tag. Ich habe es geschafft, mich ins Wohnzimmer zu setzen. Ich habe eine Kerze angezündet und habe mein Notizheft, einen Stift und eine Tasse Tee dabei. Ich versuche, in mich hineinzuhorchen und meinen Gedanken Raum zum Reden und Ausdrücken zu geben. Sie beginnen zu sprechen, zunächst ist es ein Durcheinander. Doch ich gebe ihnen Raum und zeige mein Interesse, indem ich ihre Aussagen einzeln notiere. Einige dieser Aussagen werden immer lauter, sodass ich weiß, welche Gedanken nun viel mehr Aufmerksamkeit von mir erhalten sollten. Ich schließe mein Notizheft und gönne mir Ruhe und Energie durch Schlafen und Frühstücken. Ich lasse mich nicht ablenken, sondern versuche, diese kleinen Handlungen bewusst auszuführen. Ich merke, wie sich mein Inneres langsam beruhigt, obwohl ich weiß, dass sehr vieles in mir repariert werden muss. Doch das ist okay. Heute drehe ich die Lautstärke des Alltags etwas leiser und merke, dass es nicht wehtut. Es tut gut. Ich möchte lernen, meiner inneren Welt viel mehr Aufmerksamkeit zu schenken, um Schritt für Schritt aus dem Tal ins Licht zu finden.

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Petra

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